Inklusion mit Puppen

Inklusion – Was ist das eigentlich? Viele Menschen haben den Begriff schon gehört. Aber was genau steckt dahinter? Und was bedeutet Inklusion für jeden von uns persönlich?

Inklusion heißt wörtlich übersetzt Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – mit oder ohne Behinderung – überall dabei sein kann, in der Schule, am Arbeitsplatz, im Wohnviertel, in der Freizeit, dann ist das gelungene Inklusion.

In einer inklusiven Gesellschaft ist es normal, verschieden zu sein. Jeder ist willkommen. Und davon profitieren wir alle: zum Beispiel durch den Abbau von Hürden, damit die Umwelt für alle zugänglich wird, aber auch durch weniger Barrieren in den Köpfen, mehr Offenheit, Toleranz und ein besseres Miteinander.

(Zitat: Aktion Mensch)

Erfahrungen der Theaterwerkstatt Ruhr mit Inklusion


Vor drei Jahren erhielt ich den Auftrag ein Osterferien-Puppentheater Projekt an einer Grundschule in Mülheim an der Ruhr durchzuführen. Vor Ort stellte sich heraus das alle 12 Kinder Flüchtlingskinder aus verschiedenen Ländern waren und keins der Kinder (abgesehen von ein paar Wörtern) Deutsch sprach. Ich musste erst mal schlucken, beschloss aber dann die Herausforderung anzunehmen.

Ich baute Figuren mit den Kindern. Dann stellte jedes Kind ein Schlaflied aus seinem Land vor. Wir studierten die Lieder mit den Puppen ein und nach jedem Lied gab es ein Interview mit der Moderatorin der Show. Die Kinder erklärten in kurzen deutschen Sätzen dem Publikum wovon das Lied handelte. Es wurde ein sehr berührendes Theaterstück, im Publikum die Eltern, die natürlich auch alle aus anderen Ländern kamen. Die Vorstellung hat uns alle ein kleines Stück näher zueinander gebracht.

Danach riefen mich immer häufiger Schulen an, die Probleme mit der Eingliederung von Flüchtlingskindern und allgemein mit Kindern mit Migrationshintergrund hatten. Die Gruppen waren oft auch gemischt mit deutschen Kindern.

Die Puppe lässt die Kinder, die kein Deutsch können, ihr Manko vergessen. Sie identifizieren sich mit der Figur, und in der Sicherheit, die die Spielleiste bietet, hinter der die Kinder selbst unsichtbar sind, können sie sich durch die Puppe ausdrücken. Sie können den anderen Kindern zeigen wer sie sind, was sie draufhaben und bei manchen Kindern war es als würde ein Damm brechen.

Während der gemeinsamen Arbeit an einem Theaterstück findet immer ein Gruppendynamischer Prozess statt. Jedes Mitglied muss seinen Platz in der Gruppe finden. Keiner darf ausgeschlossen werden. Mit „Dem“ spiele ich nicht, existiert nicht. Einer für alle und alle für einen, lautet das Motto vor der Aufführung. Die Kinder lernen das die Gruppe nur so stark ist wie ich schwächstes Mitglied und beginnen einander zu helfen.

Gemeinsames Lachen verbindet.